Ichspaltung (auch Ich-Spaltung, engl. splitting of the ego, fr. clivage du moi) bezeichnet die Koexistenz zweier psychischer Haltungen im Ich, die sich im Verhältnis des Ichs zur Realität äußern, wenn diese mit den eigenen Trieben und Wünschen in Konflikt geraten: Die eine akzeptiert die Realität, die andere stellt sie in Frage und ersetzt sie durch eine Wunschproduktion. Die beiden Einstellungen bestehen abgegrenzt voneinander und beeinflussen sich nicht gegenseitig.

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  • Ichspaltung (auch Ich-Spaltung, engl. splitting of the ego, fr. clivage du moi) bezeichnet die Koexistenz zweier psychischer Haltungen im Ich, die sich im Verhältnis des Ichs zur Realität äußern, wenn diese mit den eigenen Trieben und Wünschen in Konflikt geraten: Die eine akzeptiert die Realität, die andere stellt sie in Frage und ersetzt sie durch eine Wunschproduktion. Die beiden Einstellungen bestehen abgegrenzt voneinander und beeinflussen sich nicht gegenseitig. Der Begriff geht auf Sigmund Freud zurück, der damit verschiedene Vorstellungen der Psychopathologie am Ende des 19. Jahrhunderts übernahm, die sich mit einer Spaltung bzw. Verdopplung der Persönlichkeit im Kontext der Schizophrenie, der Hysterie oder bei multiplen Persönlichkeiten beschäftigten. Er benutzte den Begriff in seiner Analyse von Daniel Paul Schreber (1911) mit der Beschreibung der zugleich bestehenden psychotischen und nicht-psychotischen Persönlichkeitsanteile sowie im Zusammenhang mit der Beschreibung des Fetischismus im Abriß der Psychoanalyse (1938). Dabei verwendet Freud den Begriff beschreibend und nicht erklärend. Er sieht in der Ichspaltung keinen gesonderten Abwehrmechanismus, sondern das Ergebnis komplexer Abwehrvorgänge, deren Preis ein „Einriss“ im Ich sei, der nie wieder verheile, sondern sich stattdessen mit der Zeit vergrößere. So können z. B. übermäßig starke und in sich widersprüchliche Erfahrungen mit den frühen Beziehungsobjekten durch eine Spaltung des Ichs zu bewältigen gesucht werden, wodurch sich auch Phänomene wie das der multiplen Persönlichkeit erklären ließen. Der Begriff ist nicht auf die Psychoanalyse begrenzt, sondern kennzeichnet allgemein eine Möglichkeit menschlichen Erlebens und Verhaltens, die auch in der Literatur immer wieder dargestellt wurde, wie z.B. in der Novelle Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde von Robert Louis Stevenson oder dem Gedicht Das Spiegelbild von Annette von Droste-Hülshoff. Die Befürchtung, es gäbe eine zweite Person innerhalb des eigenen Ichs, von dem dieses nichts weiß, findet es sich auch in dem altgermanischen Mythos des Werwolfs und seinen modernen Abkömmlingen. Auch im Kontext psychologischer Traumatheorien und in der neueren neurowissenschaftlichen Forschung findet sich das Phänomen unter der Formulierung der gespaltene Persönlichkeit beschrieben. (de)
  • Ichspaltung (auch Ich-Spaltung, engl. splitting of the ego, fr. clivage du moi) bezeichnet die Koexistenz zweier psychischer Haltungen im Ich, die sich im Verhältnis des Ichs zur Realität äußern, wenn diese mit den eigenen Trieben und Wünschen in Konflikt geraten: Die eine akzeptiert die Realität, die andere stellt sie in Frage und ersetzt sie durch eine Wunschproduktion. Die beiden Einstellungen bestehen abgegrenzt voneinander und beeinflussen sich nicht gegenseitig. Der Begriff geht auf Sigmund Freud zurück, der damit verschiedene Vorstellungen der Psychopathologie am Ende des 19. Jahrhunderts übernahm, die sich mit einer Spaltung bzw. Verdopplung der Persönlichkeit im Kontext der Schizophrenie, der Hysterie oder bei multiplen Persönlichkeiten beschäftigten. Er benutzte den Begriff in seiner Analyse von Daniel Paul Schreber (1911) mit der Beschreibung der zugleich bestehenden psychotischen und nicht-psychotischen Persönlichkeitsanteile sowie im Zusammenhang mit der Beschreibung des Fetischismus im Abriß der Psychoanalyse (1938). Dabei verwendet Freud den Begriff beschreibend und nicht erklärend. Er sieht in der Ichspaltung keinen gesonderten Abwehrmechanismus, sondern das Ergebnis komplexer Abwehrvorgänge, deren Preis ein „Einriss“ im Ich sei, der nie wieder verheile, sondern sich stattdessen mit der Zeit vergrößere. So können z. B. übermäßig starke und in sich widersprüchliche Erfahrungen mit den frühen Beziehungsobjekten durch eine Spaltung des Ichs zu bewältigen gesucht werden, wodurch sich auch Phänomene wie das der multiplen Persönlichkeit erklären ließen. Der Begriff ist nicht auf die Psychoanalyse begrenzt, sondern kennzeichnet allgemein eine Möglichkeit menschlichen Erlebens und Verhaltens, die auch in der Literatur immer wieder dargestellt wurde, wie z.B. in der Novelle Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde von Robert Louis Stevenson oder dem Gedicht Das Spiegelbild von Annette von Droste-Hülshoff. Die Befürchtung, es gäbe eine zweite Person innerhalb des eigenen Ichs, von dem dieses nichts weiß, findet es sich auch in dem altgermanischen Mythos des Werwolfs und seinen modernen Abkömmlingen. Auch im Kontext psychologischer Traumatheorien und in der neueren neurowissenschaftlichen Forschung findet sich das Phänomen unter der Formulierung der gespaltene Persönlichkeit beschrieben. (de)
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  • Ichspaltung (auch Ich-Spaltung, engl. splitting of the ego, fr. clivage du moi) bezeichnet die Koexistenz zweier psychischer Haltungen im Ich, die sich im Verhältnis des Ichs zur Realität äußern, wenn diese mit den eigenen Trieben und Wünschen in Konflikt geraten: Die eine akzeptiert die Realität, die andere stellt sie in Frage und ersetzt sie durch eine Wunschproduktion. Die beiden Einstellungen bestehen abgegrenzt voneinander und beeinflussen sich nicht gegenseitig. (de)
  • Ichspaltung (auch Ich-Spaltung, engl. splitting of the ego, fr. clivage du moi) bezeichnet die Koexistenz zweier psychischer Haltungen im Ich, die sich im Verhältnis des Ichs zur Realität äußern, wenn diese mit den eigenen Trieben und Wünschen in Konflikt geraten: Die eine akzeptiert die Realität, die andere stellt sie in Frage und ersetzt sie durch eine Wunschproduktion. Die beiden Einstellungen bestehen abgegrenzt voneinander und beeinflussen sich nicht gegenseitig. (de)
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  • Ichspaltung (de)
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